Liebe Leserinnen und Leser,
nach fast 250.000 Kommentaren und zahlreichen vergeblichen Versuchen, die Kommentarkultur hier auf netzpolitik.org zu verändern, werden wir ab heute ein neues Kapitel aufschlagen. Ab heute gibt es keine Kommentare mehr bei netzpolitik.org, sondern nur noch die Möglichkeit, Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltliche Ergänzungen zu den Artikeln einzubringen. Die neuen Regeln lassen sich hier einsehen.
Wir haben zuletzt vor knapp zwei Jahren eine Debatte angestoßen, wie wir uns Kommentare auf netzpolitik.org vorstellen. Es hat wenig gefruchtet und die Selbstregulierungskräfte im Kommentarbereich sind leider nicht mehr stark genug, um die immer größer werdenden Defizite auszugleichen. Nur unter einem kleinen Teil von Artikeln und nur bei manchen Themen entstanden zuletzt noch fruchtbare, rücksichtsvolle und inhaltlich wertvolle Diskussionen. Bestimmte Themen und Artikel führen hingegen regelmäßig zu Angriffen sowie Beleidigungen gegen unsere Autorinnen und Autoren, fast immer zu Unsachlichkeiten und zu mehr oder weniger offener rechtsradikaler Propaganda.
Kein Schuttabladeplatz mehr
Bei netzpolitik.org lesen die Autorinnen und Autoren alle Kommentare unter ihren Artikeln selbst. Andere Menschen in der Redaktion moderieren unter Einsatz von Freizeit auch am Wochenende und nachts. Das unterscheidet uns von vielen anderen Medien, die diese Aufgaben an Social-Media-Redaktionen auslagern. Allerdings haben wir als Redaktion immer weniger Lust darauf, mit unserem Kommentarbereich Schuttabladeplatz für schlechte Laune, Verschwörungstheorien, platte Verallgemeinerungen, dummes Geschwätz und Naziparolen zu sein.
Insgesamt hat sich die Kommentarkultur in Blogs und Zeitungen durch veränderte Mediennutzung, die Verlagerung des Austauschs in soziale Netzwerke und durch die Verrohung der Debattenkultur bei gleichzeitigem Verstummen großer Teile der Leser:innenschaft zum Negativen entwickelt. Wir haben das Gefühl, dass der Kommentarbereich auf netzpolitik.org in weiten Teilen nicht mehr unsere Leserinnen und Leser repräsentiert. Er ist immer mehr ein Ort geworden, an dem ein paar Nutzer, die netzpolitik.org als ihr privates Forum verstehen, sich mit von irgendwo hereingespülten Kommentator:innen streiten, die nur mal ihre miese Laune abladen wollen.
Die Stimmung im Kommentarbereich war zuletzt so negativ, dass viele der eigentlichen Leserinnen und Leser die Funktion weder aktiv noch passiv nutzten. Eine laute Minderheit hat mit ihren Inhalten in den letzten Jahren viele aus dem Kommentarbereich verdrängt, die einen offenen, inhaltsbezogenen und kritischen Diskurs führen wollten. Wir bedanken uns bei den Leserinnen und Lesern, die über Jahre die Fahne einer demokratischen und fairen Debattenkultur hochgehalten haben. Ohne Euch wären wir schon viel früher mit unserem Latein am Ende gewesen. Jetzt wollen wir Euch wieder mehr Raum geben.
Ein Rückkanal ist uns wichtig
Wir halten einen offenen Rückkanal in Online-Medien für extrem wichtig! Wir wollen mit der angekündigten Veränderung wieder einen Ort schaffen, in dem sich interessante, erkenntnisreiche Anmerkungen mit humorvollen oder geistreichen Ergänzungen oder technischen Hinweisen mischen. Wir wünschen uns Ergänzungen zu Artikeln und Hinweise auf Aspekte, die wir übersehen haben oder in Zukunft betrachten könnten. Und wir freuen uns über inhaltliche Korrekturen, Hinweise auf Rechtschreibfehler und über ergänzende Links. Auch ernst gemeinte Rückfragen zu unseren Texten beantworten wir immer gerne.
Das heißt aber auch: Wir werden ab jetzt Meinungsbeiträge, die keine inhaltliche Ergänzung darstellen, einfach und ohne weitere Erklärung löschen.
Das ist eine deutliche Veränderung der bisherigen Praxis, aber von den möglichen Maßnahmen, die wir gemeinsam diskutiert haben, immer noch einer der weniger drastischen Schritte. Wir rufen alle Leserinnen und Leser dazu auf, Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltliche Ergänzungen zu den Artikeln auf netzpolitik.org zu verfassen und freuen uns auf eine vielleicht neue Epoche.
